Eines der kleineren Schiffe soll uns etwa 3 Stunden flussauf zur Green Lodge bringen. Zu unserer Ueberraschung findet sich an Bord bald eine kleine Gruppe von europaeischen Touristen, die sich nicht nur eine Menge zu sagen, sondern auch noch gemeinsam viel Spass haben: Traveller united! Wir sehen uns den "Encontro das aguas" an, wo sich das Schwarz des Rio Negro mit dem Weiss des Amazonas langsam vermischt. Lassen die Stadt hinter uns. Weites Wasser... Als ein Unwetter aufzieht ueberqueren abertausende Schmetterlinge rasant den Fluss.
An der schwimmenden Green Lodge auf riesigen Baumstaemmen - ein low budget-Hotel mitten auf dem Strom, nicht weit von einigen kleinen gruenen Inseln gelegen, die in der Regenzeit in den Fluten verschwinden - begruesst uns Michael, 35, Macho und stolzer ehemaliger Elitesoldat der brasilianischen Armee. Er soll unser Guide sein fuer die naechsten 5 Tage...
Ups! Piranha-Angeln steht auf dem Programm! Michael: "This will be our dinner." Kleines Boot, 9 Leute, kurze Ruten mit ca. 2 Meter langer Schnur und einem Stueck Fleisch am Haken. Spannung bis die ersten Fische im Boot liegen. Wie platziert man den Koeder am besten am Haken? Nicht alle von uns haben Glueck. Aber unser Fang ist fuers erste gar nicht soo schlecht, allerdings wuerde niemand von uns satt werden, wenn der Koch nicht laengst in der Lodge gekocht haette, aber das wissen wir noch nicht...
Die Sonne ist gerade ueberm Fluss untergegangen. Nahe der Inseln sind am Himmel viele kleine Punkte zu erkennen. Als wir mit dem Boot naeher gekommen sind, ist der Himmel - so weit wir sehen koennen - voller Schwalben, unfassbar viele! Allmaehlich begreifen wir, dass sie sich hier zum gemeinsamen Nachtlager treffen. Im Sturzflug gehts irgenwann ueber unsere Koepfe hinweg in die nahen Baumwipfel... von zwei jagenden Adlern verfolgt...
Als es spaeter schon stockfinster ist, leuchtet Michael mit der Taschenlampe vom Boot aus die Wasseroberflaeche ab. Wir sind still. 50 Meter vor uns glimmen 2 gelb-orange Lichter im Dickicht! Mit leisen Paddel-Schlaegen naehert sich das Boot... aber ploetzlich tauchen die Lichter ab. Wir suchen weiter. Nach mehreren Versuchen greift Michael blitzschnell einem noch kleinen Reptil direkt hinter den Kopf und reicht es behutsam ins Boot. Das ca. 60 cm lange Alligator-Weibchen bleibt vollkommen ruhig. Michel haelt uns einen seiner Vortraege - Biologieuntericht zum Anfassen! "Neben dem Alligator leben in dieser Region zwei Arten Kaimane..." Wir lassen es uns nicht nehmen, das Tier unter Michels Anleitung selbst in die Haende zu nehmen... Am Ende wird das Tier wieder sanft ins Wasser gesetzt.
--- Bitte nicht nachahmen! Wir waren zu fasziniert, um kritisch zu sein. Aus heutiger Sicht würden wir das nicht wieder tun: Wer W i l d l i f e möchte, der sollte es "wild" lassen!
Weil die Zimmer der Lodge keine Klimaanlagen (und ueberhaupt keine Elektrizitaet) besitzen, spannen wir unsere Haengematten auf dem oberen Deck eines alten Schiffs auf, das direkt an der Lodge "vor Anker liegt". Natuerlich mit Mosquitonetz. Hier ist die naechtliche Hitze ertraeglicher. Und der Blick in die Nacht frei! Zu den gewohnten Sternbildern kommen eine Menge neuer dazu. Die duenne Mondsichel, die wir noch vorm Sonnenaufgang bemerken, irritiert uns: Sie steht genau anders herum als erwartet - als wollte sie zunehmen - dabei steht Neumond erst bevor. Die Erklaerung finden wir bald: "Hier steht alles Kopf", schliesslich befinden wir uns schon 3° suedlich des Aequators.
Das war der erste Tag. Ja, hier laesst es sich aushalten, denken wir, von der laehmenden Hitze von 9-17 Uhr mal abgesehen. Tagsueber hier im Rio Negro zu baden gilt als ungefaehrlich- solange man nicht die Piranhas anfuettert oder eine groessere offene Wunde hat. Aber das aufgeheizte schwarze Wasser bringt enttaeuschend wenig Erfrischung. Wer springt schon gern in eine heisse Badewanne...
Unsere Portugiesisch- bzw. Brasilianisch-Lehrbuecher haben wir immer dabei. "Zum Glueck" kommt man mit Englisch nicht weit in Brasilien, so ist ein rascher Lernerfolg sicher...
Tage spaeter verbringen wir unsere erste Nacht direkt im Wald. Unter riesigen Baeumen beziehen wir Lager. Ein (geschlachtetes) Huhn, Reis, einen Topf, Wasser, Kaffee, etwas Brot, Haengematten mit Mosquitonetzen, Taschenlampen, lange Kleidung, hohe Schuhe, viel Mosquito-creme und natuerlich Michael, unseren Guide, haben wir dabei. Ohne Micheal wuerde nix gehen. Er fertigt uns kurzerhand mit seiner Machete Loeffel fuer den Reis und als das Huhn ueber dem Feuer knusprig geworden ist, wird es auf Blaettern serviert. Ein Gewitter zieht knapp an uns vorbei, so muessen wir nicht umkehren. 7 Haengematten wiegen uns in den Schlaf. Dabei herrscht alles andere als Nacht - R u h e. Sicher das beeindruckendste: von ueberall her immer neue, teils bizarre Geraeusche, lautester Froschgesang, den wir lange fuer Motorenlaerm halten, ein Canon, der erst am Morgen verstummt...
Die Tage hielten auch Ungeahntes bereit.
Als wir in unserer zweiten Nacht - wieder auf dem Boot, das an der Lodge ankert- gegen 5 Uhr erwachen, stimmt etwas nicht. Anhaltendes Wasser-Rauschen ist zu vernehmen - als waere eine der Toilettenspuelungen defekt. Doch dann merken wir - noch im Halbschlaf - die Haengematten haengen aber merkwuerdig schief! Wie geht das? Rein physikalisch? Das ist die Sekunde, in der wir erwachen. Das Boot liegt fast auf Halbseite! Es sinkt! Unsere Sachen an Deck rutschen herunter... Nach einer Paniksekunde im Stockfinstern wissen wir, dass noch genug Zeit bleibt, die Matten abzubauen und auf die nahe Lodge hinueber zu klettern... Das Boot sinkt, allerdings ist das Wasser hier nur ein paar Meter tief, so dass es nicht vom Negro verschluckt werden kann... und wir legen uns zum ersten Mal fuer eine knappe Stunde in ein Lodge-Bett, bevor unser Tag mit dem Sonnenaufgang beginnt...
Es ist Nachmittag an unserem 4. Tag. Unsere Gruppe wird kleiner, Freunde werden verabschiedet. Ein Unwetter scheint auf die Green Lodge zuzusteuern, es kommt etwas Wind auf. Wir lachen (makaber!), als wir bemerken, dass das halb gesunkene Schiff, das noch an der Lodge liegt, jetzt endgueltig untergeht und a b d r i f t e t. Aber es driftet nicht ab, sondern wir!
Die Lodge hat sich losgerissen von den beiden langen Seilen, die sie mit den Inseln verbanden, unser Hotel treibt stromabwaerts, Kurs auf eine andere dicht bewachsene Insel. Droht die naechste Katastrophe? Wir alarmieren die Besatzung der Lodge. Es dauert eine brasilianische Ewigkeit bis etwas passiert. Schliesslich wird versucht, mit einem anderen Schiff und einem kleinen Boot die driftende Lodge mit Seilen aufzuhalten, wir helfen. Eine Sandbank stoppt die Fahrt nach einigen Hundert Metern...
Wir beschliessen kurzerhand, noch heute nach Manaus zurueck zu kehren.
Green Lodge auf der Karte
Green Lodge Foto
Green Lodge im Internet (auf Deutsch)
An der schwimmenden Green Lodge auf riesigen Baumstaemmen - ein low budget-Hotel mitten auf dem Strom, nicht weit von einigen kleinen gruenen Inseln gelegen, die in der Regenzeit in den Fluten verschwinden - begruesst uns Michael, 35, Macho und stolzer ehemaliger Elitesoldat der brasilianischen Armee. Er soll unser Guide sein fuer die naechsten 5 Tage...
Ups! Piranha-Angeln steht auf dem Programm! Michael: "This will be our dinner." Kleines Boot, 9 Leute, kurze Ruten mit ca. 2 Meter langer Schnur und einem Stueck Fleisch am Haken. Spannung bis die ersten Fische im Boot liegen. Wie platziert man den Koeder am besten am Haken? Nicht alle von uns haben Glueck. Aber unser Fang ist fuers erste gar nicht soo schlecht, allerdings wuerde niemand von uns satt werden, wenn der Koch nicht laengst in der Lodge gekocht haette, aber das wissen wir noch nicht...
Die Sonne ist gerade ueberm Fluss untergegangen. Nahe der Inseln sind am Himmel viele kleine Punkte zu erkennen. Als wir mit dem Boot naeher gekommen sind, ist der Himmel - so weit wir sehen koennen - voller Schwalben, unfassbar viele! Allmaehlich begreifen wir, dass sie sich hier zum gemeinsamen Nachtlager treffen. Im Sturzflug gehts irgenwann ueber unsere Koepfe hinweg in die nahen Baumwipfel... von zwei jagenden Adlern verfolgt...
Als es spaeter schon stockfinster ist, leuchtet Michael mit der Taschenlampe vom Boot aus die Wasseroberflaeche ab. Wir sind still. 50 Meter vor uns glimmen 2 gelb-orange Lichter im Dickicht! Mit leisen Paddel-Schlaegen naehert sich das Boot... aber ploetzlich tauchen die Lichter ab. Wir suchen weiter. Nach mehreren Versuchen greift Michael blitzschnell einem noch kleinen Reptil direkt hinter den Kopf und reicht es behutsam ins Boot. Das ca. 60 cm lange Alligator-Weibchen bleibt vollkommen ruhig. Michel haelt uns einen seiner Vortraege - Biologieuntericht zum Anfassen! "Neben dem Alligator leben in dieser Region zwei Arten Kaimane..." Wir lassen es uns nicht nehmen, das Tier unter Michels Anleitung selbst in die Haende zu nehmen... Am Ende wird das Tier wieder sanft ins Wasser gesetzt.
--- Bitte nicht nachahmen! Wir waren zu fasziniert, um kritisch zu sein. Aus heutiger Sicht würden wir das nicht wieder tun: Wer W i l d l i f e möchte, der sollte es "wild" lassen!
Weil die Zimmer der Lodge keine Klimaanlagen (und ueberhaupt keine Elektrizitaet) besitzen, spannen wir unsere Haengematten auf dem oberen Deck eines alten Schiffs auf, das direkt an der Lodge "vor Anker liegt". Natuerlich mit Mosquitonetz. Hier ist die naechtliche Hitze ertraeglicher. Und der Blick in die Nacht frei! Zu den gewohnten Sternbildern kommen eine Menge neuer dazu. Die duenne Mondsichel, die wir noch vorm Sonnenaufgang bemerken, irritiert uns: Sie steht genau anders herum als erwartet - als wollte sie zunehmen - dabei steht Neumond erst bevor. Die Erklaerung finden wir bald: "Hier steht alles Kopf", schliesslich befinden wir uns schon 3° suedlich des Aequators.
Das war der erste Tag. Ja, hier laesst es sich aushalten, denken wir, von der laehmenden Hitze von 9-17 Uhr mal abgesehen. Tagsueber hier im Rio Negro zu baden gilt als ungefaehrlich- solange man nicht die Piranhas anfuettert oder eine groessere offene Wunde hat. Aber das aufgeheizte schwarze Wasser bringt enttaeuschend wenig Erfrischung. Wer springt schon gern in eine heisse Badewanne...
Unsere Portugiesisch- bzw. Brasilianisch-Lehrbuecher haben wir immer dabei. "Zum Glueck" kommt man mit Englisch nicht weit in Brasilien, so ist ein rascher Lernerfolg sicher...
Tage spaeter verbringen wir unsere erste Nacht direkt im Wald. Unter riesigen Baeumen beziehen wir Lager. Ein (geschlachtetes) Huhn, Reis, einen Topf, Wasser, Kaffee, etwas Brot, Haengematten mit Mosquitonetzen, Taschenlampen, lange Kleidung, hohe Schuhe, viel Mosquito-creme und natuerlich Michael, unseren Guide, haben wir dabei. Ohne Micheal wuerde nix gehen. Er fertigt uns kurzerhand mit seiner Machete Loeffel fuer den Reis und als das Huhn ueber dem Feuer knusprig geworden ist, wird es auf Blaettern serviert. Ein Gewitter zieht knapp an uns vorbei, so muessen wir nicht umkehren. 7 Haengematten wiegen uns in den Schlaf. Dabei herrscht alles andere als Nacht - R u h e. Sicher das beeindruckendste: von ueberall her immer neue, teils bizarre Geraeusche, lautester Froschgesang, den wir lange fuer Motorenlaerm halten, ein Canon, der erst am Morgen verstummt...
Die Tage hielten auch Ungeahntes bereit.
Als wir in unserer zweiten Nacht - wieder auf dem Boot, das an der Lodge ankert- gegen 5 Uhr erwachen, stimmt etwas nicht. Anhaltendes Wasser-Rauschen ist zu vernehmen - als waere eine der Toilettenspuelungen defekt. Doch dann merken wir - noch im Halbschlaf - die Haengematten haengen aber merkwuerdig schief! Wie geht das? Rein physikalisch? Das ist die Sekunde, in der wir erwachen. Das Boot liegt fast auf Halbseite! Es sinkt! Unsere Sachen an Deck rutschen herunter... Nach einer Paniksekunde im Stockfinstern wissen wir, dass noch genug Zeit bleibt, die Matten abzubauen und auf die nahe Lodge hinueber zu klettern... Das Boot sinkt, allerdings ist das Wasser hier nur ein paar Meter tief, so dass es nicht vom Negro verschluckt werden kann... und wir legen uns zum ersten Mal fuer eine knappe Stunde in ein Lodge-Bett, bevor unser Tag mit dem Sonnenaufgang beginnt...
Es ist Nachmittag an unserem 4. Tag. Unsere Gruppe wird kleiner, Freunde werden verabschiedet. Ein Unwetter scheint auf die Green Lodge zuzusteuern, es kommt etwas Wind auf. Wir lachen (makaber!), als wir bemerken, dass das halb gesunkene Schiff, das noch an der Lodge liegt, jetzt endgueltig untergeht und a b d r i f t e t. Aber es driftet nicht ab, sondern wir!
Die Lodge hat sich losgerissen von den beiden langen Seilen, die sie mit den Inseln verbanden, unser Hotel treibt stromabwaerts, Kurs auf eine andere dicht bewachsene Insel. Droht die naechste Katastrophe? Wir alarmieren die Besatzung der Lodge. Es dauert eine brasilianische Ewigkeit bis etwas passiert. Schliesslich wird versucht, mit einem anderen Schiff und einem kleinen Boot die driftende Lodge mit Seilen aufzuhalten, wir helfen. Eine Sandbank stoppt die Fahrt nach einigen Hundert Metern...
Wir beschliessen kurzerhand, noch heute nach Manaus zurueck zu kehren.
Green Lodge auf der Karte
Green Lodge Foto
Green Lodge im Internet (auf Deutsch)
1 Kommentar:
Mann das ist ja aufregend... Ein Glück habt ihr zwei so gute Reaktionen und keinen Neigung zur Panik.
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