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Donnerstag, 4. Dezember 2008

Von der Condor-Schlucht zurueck in den Dschungel

Ortes des Schreibens sind manchmal fern.. aber:
Wir sind am Leben! ; )

In Cusco begegnete uns zuletzt uebrigens noch Ayahuasca... In Bolivien von altersher legal, in der grossen Markhalle erhaeltlich, gleich neben den San Pedro-Kakteen... Drei Psychonauten in einem dunklen Zimmer... kaleidoskopische Welten. Die emetische Potenz war genauso erstaunlich (Metoclopramid hilft gut).

Schon mal aus 120 Meter Hoehe kopfueber - mit ausgestreckten Armen - in die Tiefe gesprungen? Mit Seil..?
Wir fanden es eine sehr interessante Erfahrung...

Nachtbus nach Arequipa (zweitgroesste Stadt Perus)...
Waren von seinen Kolonialbauten - direkt vor den um 6000 m hohen Vulkanen - begeistert. Von dort ging es mit unseren Trail-erprobten Freunden aus Tel-Aviv, Zuerich und Sued-Tirol/Sardinien weiter ins Colca-Canon: einige Tage in die tiefste Schlucht der Welt (neueste Messungen, lt. unserem Guide Pepe): mehr als 3200 m. Haben den Condor kreisen sehen, die einfachen Doerfer in dieser kargen Bergwelt kennengelernt, in der Oase vom Trekking ausgeruht...

Ein enteropathogener Keim hat mich ein paar Tage beschaeftigt (Blastozystes hominis lt. Mikroskopie; Metronidazol sensibel) bevor ich wieder weiter-reisefaehig war.

Zurueck nach La Paz.
Die Familie A. und Ahryam haben sich gefreut.
Die Death-Road sollte noch - per Mountainbike - gemeistert werden. Wohl die gefaehrlichste (Berg-) Strasse der Welt - allerdings seit 2008 (?) fuer den normalen Strassenverkehr im Wesentlichen gesperrt - 80 km bergab , 3000 m Hoehenunterschied in einer der schoensten Landschaften, die wir gesehen haben: von den schroffen Felsmassiven der Cordillera Real hinunter in die subtropischen Taeler der Yungas. Atemberaubend.
Auch, weil ich doch einmal auf meine linke Seite stuerze - ich dachte, das passiert nur Anderen...

Hier haben sich unsere - Martin und meine - Wege vorerst getrennt.
Nach 8 Wochen gemeinsamer Reise wird unsere Freundschaft auf eine Probe gestellt. Ausserdem, Martin will zuegig nach Sueden, nach Buenos A¡res, um genug Zeit fuer den geliebten Tango zu haben. Aber vorher will auch er noch mal zurueck in Richtung Amazonas, in die geliebte grosse Hitze..

Nicht weit von Rurrenabaque, wo das Amazonas-Becken langsam in die Anden uebergeht, liegt hinter zwei Bergketten "geschuetzt" der Madidi National-Park. Beruehmt fuer seine einmalige Vielfalt an Pflanzen und Voegeln.
In Hof und Garten unseres Guesthouses in "Rurre" (Terasse mit Blick auf den Rio Beni genial) hat ein kleiner, suesser Affe alle Freiheit. Ein grosser Spass, ihm zu zu schauen. Nur seine Zimmertuer sollte man verschliessen.... Sein Name: Martin!
Eigentlich wollen wir zu viert in den Urwald, doch zuletzt ist es Zohar und Naama doch "zu viel Dschungel". So beschliessen Sarit und ich, allein mit einem erfahrenen Fuehrer fuer 6 Tage in den Park zu gehen. Wollen den alten, wenig beruehrten Teil des Parks sehen, mit uralten Baeumen und vielleicht - mit etwas Glueck - Tiere beobachten...
Eine Koechin wurde uns "obendrein" gegeben: Irene. Sie hat das nur leider noch nicht oft gemacht, wie wir bald merken werden und sie besitzt ausserdem nur Badelatschen...
Juan Carlos, unser Guide, 46, weiss einfach alles ueber den Wald, nur verstehen wir sein Spanisch wenig (englisch sprechende Guides sind in Bolivien immer noch Mangelware) ...
Mit dem Motor-Kanu 3 Stunden den Rio Beni und den Rio Tuichi hinauf. Der Wald klettert Huegel und Felsen hinauf, keine Menschenseele. Unglaublich schoen. Es ist immer noch Trockenzeit. Und obwohl alles gruent, ist der Wald doch ausgetrocknet, der Boden staubig und von welken Blaettern uebersaet (wie bei uns im Herbst). Einen entscheidenden Vorteil hat das allerdings: es gibt kaum Moskitos! Gehen leise auf schmalen Pfaden, mit vollem Gepaeck. In der Hitze laeuft der Schweiss in Stroemen. Trinkwasser ist knapp, aber wir haben zum Glueck einen Wasserfilter dabei. Juan C. liest die Faerten am Boden, lauscht gespannt ins Dickicht. Wir campen an einem kleinen Rinnsal von Bach, das nicht sehr appetitlich aussieht (Trockenzeit!). Kochen am Feuer. Immer wieder neue Klaenge im Wald (und ich glaube wieder einmal Menschen, sogar Maschinen zu hoeren, aber die gibt es hier nicht). Riesige Baeume, oft einige hundert Jahre alt, mit z.T. ueber 20 Meter auslaufenden Brett-Wurzeln begeistern uns. Dann sehen wir ein erstes Rudel wilder Schweine, das uns nicht zu bemerken scheint. Weil es die Schweine gibt, meint Juan C., muessen wir den Jaguar nicht fuerchten: er wird hier nicht hungrig..
In den naechsten Tagen sehen wir u.a. Schildkroeten, (laermende) Papageien, (endlich!) einen Tukan, einige Echsen, eine Schlange (Culebra), die gekonnt meterweit von einem Baum springt und flieht, mehrere Affenarten, Jaguar-Spuren...
Als wir nach Tagen voellig verwitzt am Rio Ondo ankommen, wollen wir sofort begeistert baden gehen. Aber woher kommt ploetzlich dieser Juckreiz ueberall? Es dauert eine ganze Weile bis wir die winzigen Sandfliegen bemerken, die so schnell und unangenehm beissen. Da bleiben nur: komplett ins Wasser oder weit genug weg vom Fluss... Beim Angeln hat (nur) Juan Carlos Glueck, so gibt es Abwechselung auf unserem sonst etwas tristen Speiseplan. Am naechsten Tag bauen wir ein Floss aus Balsa-Staemmen und raften gemaechlich den Fluss hinunter, unsere Sachen sind gut verpackt...
Auf unserem Rueckweg scheint die Trockenzeit dann endgueltig vorbei zu sein: es giesst stundenlang aus Kannen und durchnaesst laeuft uns das Wasser in die Schuhe...

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